G-Test/Risk Ratio?

G-Test/Risk Ratio?

Beitragvon jboben » Do 7. Mai 2020, 11:49

Hallo,

ich hoffe, es kann mir nochmal jemand helfen, abermals mit einem korpuslinguistischen Thema. Und zwar möchte ich die (in der Literatur gefundene) Hypothese überprüfen, dass zwei Wörter im Englischen - road und path - zwar ähnliche wörtliche, jedoch unterschiedliche metaphorische Bedeutungen haben. Ersteres wird eher verwendet, um auf Ziele zu referieren, während path eher verwendet wird, um auf Schwierigkeiten entlang des Weges abzuzielen ("the path to reunion was troublesome" oder ähnlich). Ich habe jetzt eine 2x2 Kreuztabelle, wo ich die beiden Wörter road und path den Merkmalen Ziel/Hindernis gegenüberstelle. Die Zahlen weisen auch in diese Richtung (Road: 29 Ziel, 5 Hindernis; path: 27 Ziel, 60 Hindernis). Es werden somit beide Bedeutungen jeweils von beiden Wörtern kodiert, nur in unterschiedlicher Stärke.

Es gibt aber bei beiden Wörtern noch jeweils viele Verwendungen, die weder Ziel noch Hindernis ausdrücken. Das heißt, viele Beobachtungen der insgesamt 127 Vorkommen von road und insgesamt 177 von path fallen weder in die eine noch die andere Kategorie. Wie kann ich jetzt zeigen, dass trotzdem ein Zusammenhang besteht?

Ich dachte an eine Risk Ratio, da ich so die jeweiligen Funde einfach in Verhältnis zu den Randhäufigkeiten setzen kann. Dann hab ich allerdings keine Aussage à la "signifikant mit p<0.001" oder ähnliches. Oder ein G-Test (weil für Chi² alle Zellen Häufigkeiten >5 aufweisen müssen, was nicht der Fall ist)? Wie gehe ich dann aber mit den Beobachtungen um, die weder in die eine noch die andere Kategorie fallen?

Vielleicht kann mir ja jemand weiterhelfen!?

Besten Dank und viele Grüße
Jakob
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Re: G-Test/Risk Ratio?

Beitragvon bele » Do 7. Mai 2020, 13:06

Hallo Jakob,

ich bin mir nicht sicher, ob ich alles verstehe, aber es kommt in diesem Fall sehr exakt auf die Fragestellung an. Es ist durchaus legitim zu sagen: "Mich interessieren nur die Fälle, in denen road und path entweder Ziele oder Schwierigkeiten repräsentieren und daraus mache ich dann eine Vierfelder-Tafel" oder zu sagen "Ich kann road und path einer vielzahl von Kontexten eindeutig(!) zuordnen und möchte wissen, ob die Kontexte sich zwischen beiden unterscheiden". Im einen Fall hast Du eine Vierfelder-Tafel, im anderen eine 2xn Tafel.

Im 2x2-Felder Fall eignet sich der interokuläre Traumatest (just looking at it, it hits you between the eyes). Das ist so deutlich, dass man eher fragt, ob es überhaupt eines Tests bedarf als Zellenbesetzungen zu checken. Außerdem geht es bei den n > 5 oder n >=5 nicht um die besetzten Zellen sondern um die unter der Nullhypothese zu erwartenden Zellenbesetzungen. Alles wurscht, wird eh p < 0,001.

Im 2xn Felder Fall böte sich auch ein Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstest an, der dann aber einen anderen p-Wert haben wird und eben eine andere Frage beantwortet.

LG,
Bernhard
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Re: G-Test/Risk Ratio?

Beitragvon jboben » Do 7. Mai 2020, 13:26

Hallo Bernhard,

Es ist m.E. ersteres gegeben, d.h. mich interessieren ausschließlich diejenigen Fälle von road und path, in denen entweder Ziel- oder Hindernisreferenz der Fall ist; womit ich eine 2x2-Tafel hätte.

So bestechend der interokuläre Traumatest klingt, mir scheint er schwierig zu begründen im Rahmen einer Abschlussarbeit - à la "Wie Sie selbst erkennen können, sofern Sie nicht absolut blind sind..." ;) Ich denke, es geht mir hierbei eher darum, das was sowieso augenfällig ist durch einen adäquaten Test mit ein bisschen mehr Gewicht auszustatten. Die Frage, ob ein p<0.001 an sich Indikator für Belastbarkeit/wissenschaftliche Aussagekraft ist, jetzt mal außen vor gelassen.

Also gesetzt den Fall, ich gehe jetzt von einer Vierfeldtafel aus und du sagst Beobachtungen >5 sind sowieso kein Kriterium, was spräche dann gegen einen klassischen Chi²-Test? Und wenn ich dich richtig verstanden habe, sind die Beobachtungen, die in keine der vier Zellen fallen, hierfür auch unerheblich und ich kann die Tafel sozusagen einfach um diese Fälle "bereinigen" - korrekt?

Danke nochmal und lieben Gruß
Jakob
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Re: G-Test/Risk Ratio?

Beitragvon bele » Do 7. Mai 2020, 13:52

jboben hat geschrieben:So bestechend der interokuläre Traumatest klingt, mir scheint er schwierig zu begründen im Rahmen einer Abschlussarbeit


Ja. Du willst in der Arbeit ja vormachen, dass Du testen kannst. Also teste.

Also gesetzt den Fall, ich gehe jetzt von einer Vierfeldtafel aus und du sagst Beobachtungen >5 sind sowieso kein Kriterium, was spräche dann gegen einen klassischen Chi²-Test?


Persönlich sehe ich nicht, was dagegen spräche.

Und wenn ich dich richtig verstanden habe, sind die Beobachtungen, die in keine der vier Zellen fallen, hierfür auch unerheblich und ich kann die Tafel sozusagen einfach um diese Fälle "bereinigen" - korrekt?


Wenn das Deiner Fragestellung entspricht (und das klingt für mich als Nichtlinguisten erstmal plausibel), dann ja.

LG,
Bernhard
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Re: G-Test/Risk Ratio?

Beitragvon jboben » Do 7. Mai 2020, 14:53

Dann mach ich das mal so. Vielen Dank!
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