Kaplan-Meier-Analyse mit schwankenden Beobachtungszeiten

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Kaplan-Meier-Analyse mit schwankenden Beobachtungszeiten

Beitragvon sarcolemn » Di 17. Nov 2020, 20:20

Hallo Zusammen,

ich bin neu hier und brauche ein paar Tips zur Interpretation einer Kaplan-Meier-Analyse.
Dabei wurden 64 Fälle nach einer Operation nachverfolgt, der Nachbeobachtungszeitraum endete dann an einem fixen Datum. Die Operationen fanden jedoch über Jahre hinweg statt. Daher haben die Patienten natürlich abweichende Nachbeobachtungszeiten und früh operierte Patienten werden deutlich länger beobachtet als später operierte (Nachbeobachtung in Tagen min: 46, max: 3942, mean: 2444, SD: 751). Zu ca. 97% der Patienten wurden bis zum Ende des Nachbeobachtungszeitraums vollständige Daten erhoben.

Da in dieser Konstellation ja nur mein erster Patient quasi das "Ende der Nachbeobachtungszeit" erreicht hat, sind folglich die patients at risk am Ende meiner Analyse auch bei 0 (oder eben 1), da alle anderen zensiert wurden. Das spiegelt ja die Realität nun auch nicht wider, denn eigentlich haben ja alle Patienten (außer verstorbenen und den 3% lost to follow-up noch sicher eine Chance, dass sie versterben.

Die Kaplan-Meier Analyse zeigt jetzt eine durchschnittliche Überlebenszeit von 3650 Tagen und 92,2% zensierte Fälle, die anderen sind verstorben.
Daraus stellen sich für mich, als statistisch eher unterbegabten, folgende zwei Fragen:
1. Kann ich der Analyse so überhaupt trauen bzw. ist das Vorgehen zulässig (die durchschnittliche Überlebenszeit liegt ja doch sehr nahe an der maximalen Nachbeobachtungszeit...).
2. Wie kann ich die patients at risk hier korrekt angeben / statistisch darstellen?

Für Denkanstöße, Korrekturen und kritische Nachfragen bin ich dankbar!


Viele Grüße
sarcolemn
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Re: Kaplan-Meier-Analyse mit schwankenden Beobachtungszeiten

Beitragvon PonderStibbons » Di 17. Nov 2020, 21:15

Demnach hast Du 5 Todesfälle. Wieso Du durchschnittliche Überlebenszeit
betrachtest, erschließt sich mir jedoch nicht. Der Witz bei dieser Art
Analyse ist doch, dass man die Überlebenswahrscheinlichkeit zu
relevanten Zeitpunkten geschätzt erhält.

Mit freundlichen Grüßen

PonderStibbons
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Re: Kaplan-Meier-Analyse mit schwankenden Beobachtungszeiten

Beitragvon sarcolemn » Di 17. Nov 2020, 22:01

Mmh, warum ich das Ganze mache hab ich wohl noch nicht erzählt. Dabei geht es mir um die Vergleichbarkeit zu ähnlichen Studien. Natürlich könnte ich auch einfach schauen, wie lange die Patienten jeweils überlebt haben und davon den Mittelwert nehmen. Aber das Ziel ist doch, dass die Kaplan-Meier Analyse eine Schätzung unter Berücksichtigung der Patienten gibt, von denen ich gar nicht weiß ob sie nicht auch verstorben sind (also lost to follow-up).

Mit den relevanten Zeitpunkten hast du natürlich auch recht, was mich aber wieder zu der Frage zurückbringt, ob ich in dieser Konstellation z.B. eine 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit/-rate überhaupt valide ableiten kann.

Hältst du die Analyse hier überhaupt für anwendbar? Die Literatur die ich bisher gewälzt habe (zugegeben keine primär statistischen Fachbücher) arbeiten immer mit klassischen Nachbeobachtungszeiten, die alle relativ ähnlich lang sind (also Pat. A in 2015 operiert, über 2 Jahre nachverfolgt, Pat. B in 2016 operiert, auch über 2 Jahre nachverfolgt. Da kommt man nicht auf so viele zensierte Fälle).

Ich will aber nicht ganz ausschließen, dass ich nach 10h zu dem Thema auch einfach etwas auf dem Schlauch stehe...

Viele Grüße
sarcolemn
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Re: Kaplan-Meier-Analyse mit schwankenden Beobachtungszeiten

Beitragvon PonderStibbons » Di 17. Nov 2020, 22:26

Wenn Du es mit Überlebenswahrscheinlchkeiten nach üblichen
Zeitabschnitten in der Literatur vergleichen möchtest, dann
steht dem ja nichts ist Wege. Bei gerade mal 5 Ereignissen
dürfte das Vertrauensintervallallerdings sehr groß sein.

Mit freundlichen Grüßen

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