Faktorenanalyse - mehrere Antworten derselben Probanden

Faktorenanalyse - mehrere Antworten derselben Probanden

Beitragvon mho_stat » Sa 13. Mär 2021, 16:22

Hallo liebe Stat Community,

Ich führe eine Expl. Faktorenanalyse. Ich habe 100 Probanden gebeten, die Glaubwürdigkeit von 4 Marketing-Taktiken zu bewerten. Ich habe insgesamt 8 Taktiken untersucht und jedem Probanden wurden also 4 von diesen 8 Taktiken zufällig zugewiesen. Jetzt möchte ich eine FA durchführen, um die Konstrukte zu finden, die den von mir verwendeten Items zugrunde liegen.

- Ist es überhaupt in Ordnung, mehrere Antworten von denselben Befragten zu erhalten? (Ich habe 100 x 4 Antworten -> heißt ich habe 400 Datenzeilen in meinem SPSS Dataset) Weil eine Annahme von FA ist, dass "die Antworten unabhängig voneinander sind", nicht wahr? Ist diese Unabhängigkeit denn noch gegeben, wenn jeweils 4 Beobachtungen von einem Probanden stammen?

- Falls dies so in Ordnung ist, verwende ich den Datensatz mit 400 Zeilen oder muss ich den Datensatz mit Durchschnittswerten reduzieren? Was wäre der Vorteil von so etwas?

Vielen Dank, ich brauche wirklich die Hilfe für meine Seminararbeit! Danke, danke, danke
mho_stat
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Re: Faktorenanalyse - mehrere Antworten derselben Probanden

Beitragvon PonderStibbons » Sa 13. Mär 2021, 16:34

Jetzt möchte ich eine FA durchführen, um die Konstrukte zu finden, die den von mir verwendeten Items zugrunde liegen.

Warum? Kommen die denn aus heiterem Himmel?
Ist diese Unabhängigkeit denn noch gegeben, wenn jeweils 4 Beobachtungen von einem Probanden stammen?

Selbstverständlich nicht.
- Falls dies so in Ordnung ist, verwende ich den Datensatz mit 400 Zeilen oder muss ich den Datensatz mit Durchschnittswerten reduzieren? Was wäre der Vorteil von so etwas?

Durchschnittswerte sind hier unbrauchbar.
Es gibt dafür die "Multilevel Factor Analysis", allerdings habe ich die selbst noch
nicht genauer kennengelernt. https://www.tandfonline.com/doi/abs/10. ... ode=hjpa20

Eine einfache Möglichkeit wäre, 4 separate Faktorenanalysen (ich vermute, es geht ausdrücklich nicht
um Hauptkomponentenanalysen) jeweils mit genau derselben Methodik durchzuführen und die Ergebnisse
zu vergleichen.

Mit freundlichen Grüßen

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Re: Faktorenanalyse - mehrere Antworten derselben Probanden

Beitragvon mho_stat » Sa 13. Mär 2021, 18:22

Danke für deine schnelle Antwort.

Die items kommen aus einer wissenschafltichen Quelle (bei Interesse Isaac, Grayson 2017: https://academic.oup.com/jcr/article/43 ... login=true) - ich stelle den Versuch von damals eigentlich genauso nach. Marketing Taktiken sollen mit 12 items (hilfreich, glaubwürdig, täuschend, etc.) abgefragt werden. Das dahinterliegende Konstrukt war damals eine 1-Faktor-Lösung (Glaubwürdigkeit bzw. Skepsis an beiden Enden der scale).
Isaac und Grayson haben die Probanden genauso befragt (jeder Proband bekam 5 von 12 Taktiken).
- Das heißt, dieses Vorgehen verletzt streng genommen die Unabhängigkeits Annahme der Beobachtungen der Faktorenanalyse?

"Eine einfache Möglichkeit wäre, 4 separate Faktorenanalysen (ich vermute, es geht ausdrücklich nicht um Hauptkomponentenanalysen) jeweils mit genau derselben Methodik durchzuführen und die Ergebnisse zu vergleichen."
--> Doch, grds. führe ich eine Expl. FA durch mit Hauptkomponentenanalyse als Schätzmethode (in allen Büchern fällt dies trotzdem unter den Begriff der FA)

Da ich den Versuch grds. genauso nachstellen will, müsste ich dann die oben genannte Verletzung der Annahmen unter limitations packen, nehme ich an?

Danke nochmal und lG
mho_stat
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Re: Faktorenanalyse - mehrere Antworten derselben Probanden

Beitragvon PonderStibbons » Sa 13. Mär 2021, 18:50

Die items kommen aus einer wissenschafltichen Quelle (bei Interesse Isaac, Grayson 2017: https://academic.oup.com/jcr/article/43 ... login=true) - ich stelle den Versuch von damals eigentlich genauso nach. Marketing Taktiken sollen mit 12 items (hilfreich, glaubwürdig, täuschend, etc.) abgefragt werden. Das dahinterliegende Konstrukt war damals eine 1-Faktor-Lösung (Glaubwürdigkeit bzw. Skepsis an beiden Enden der scale).

Das erklärt mir nicht, wieso Du mit einer bereits bestehenden Skala eine (oder mehrere) exploratorische
Faktorenanalysen rechnen willst.

- Das heißt, dieses Vorgehen verletzt streng genommen die Unabhängigkeits Annahme der Beobachtungen der Faktorenanalyse?

Was heißt "streng genommen"? Mehrfache Messungen derselben Probanden sind das abhängigste, was sich
überhaupt denken lässt.

--> Doch, grds. führe ich eine Expl. FA

Gehen Dir die Buchstaben aus oder warum schreibst Du mir so?

Hauptkomponentenanalysen sind keine Faktorenanalysen. Faktorenanalysen sollen Faktoren/Dimensionen
aufdecken, Hauptkomponenetenanalysen möglichst viel Varianz mit wenigen Komponenten aufklären.

durch mit Hauptkomponentenanalyse als Schätzmethode (in allen Büchern fällt dies trotzdem unter den Begriff der FA)

Da kannst Du wohl nichts für. Aber vielleicht suchst Du gegelegentlich nach Büchern, in denen es richtig steht.

Da ich den Versuch grds. genauso nachstellen will, müsste ich dann die oben genannte Verletzung der Annahmen unter limitations packen, nehme ich an?

Ich kann weder die Fragestellung noch die Durchführung noch die Schlussfolgerung nachvollziehen.
Verfahren falsch anzuwenden und dann irgendwas in die limitations zu packen, erscheint mir als eine
eher unübliche Art wissenschaflicher Studiendurchführung, aber letztlich muss das Deine Betreuer/
Abnehmer entscheiden.

Danke nochmal und lG

wtf

Mit freundlichen Grüßen

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