Faktorenanalyse => Strukturgleichungsmodell

Faktorenanalyse => Strukturgleichungsmodell

Beitragvon Leviathan » Di 7. Jun 2022, 15:02

Hallo,

ich würde mich riesig freuen, wenn ich nach längerer Zeit mal wieder Hilfe hier im Forum bekommen könnte! Und zwar sitze ich gerade an einer wichtigen Forschungsarbeit und ich werde Strukturgleichungsmodelle mit AMOS berechnen.

Als Tipp, u.a. für bessere Ergebnisse, habe ich die Empfehlung erhalten, zuerst eine explorative Faktorenanalyse mit SPSS durchzuführen und danach erst die SGM in AMOS zu berechnen.

Die Erklärung war:
Wenn in Amos der Fehler gleich ist, gehören die ausgewählten Variablen in ein Modell. Und bei der Faktorenanalyse sollen die Faktoren? / Variablen? nur korreliert werden. Ist der Fit schlecht, stimmt die Messung nicht. Ist er jedoch (auch) im SGM gut, sollen sie übernommen werden.

Ich habe jetzt leider keinen Kontakt mehr zu dieser Person, aber weiß vielleicht jemand von Euch, was damit gemeint war?

Herzlichen Dank!
Leviathan
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Re: Faktorenanalyse => Strukturgleichungsmodell

Beitragvon Holgonaut » Mi 8. Jun 2022, 09:18

Hallo Leviathan,

ich versteh diese seltsame Begründung nicht ("wenn in Amos der Fehler gleich ist"). Du kannst dir aber die Zeit sparen, es zu erklären. Wenn du eine Vorstellung hast bzgl. der Messmodelle, dann geh gleich konfirmatorisch vor. Du könntest zuerst eine CFA machen (auch daran gibt es Kritik) und anschließend das SEM. Die CFA wird wahrscheinlich nicht fitten und etwas Respec erfordern. Das hat bestimmte Implikationen, was die "Vorsicht beim Interpretieren" betrifft.

Schau dir das paper mal an, in dem all das behandelt ist. Hier ist nur study 1 relevant. Dabei fittete die CFA nicht und es wird beschrieben, wie ich vorgegangen bin.

Rosman, T., Kerwer, M., Steinmetz, H., Chasiotis, A., Wedderhoff, O., Betsch, C., & Bosnjak, M. (2021). Will COVID‐19‐related economic worries superimpose health worries, reducing nonpharmaceutical intervention acceptance in Germany? A prospective pre‐registered study. International Journal of Psychology. https://doi.org/10.1002/ijop.12753 (Hinweis: DOI nachträglich geändert nach Bele's Hinweis)

Das wurde mit dem lavaan Paket in R gemacht zu dem ich dir dringend raten würde (alternativ Stata oder Mplus). Der Grund ist, dass Amos essentielle Diagnostiken nicht hat, die im paper illustriert sind und im Fall eines Misfits wichtig sind.

HTH
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Re: Faktorenanalyse => Strukturgleichungsmodell

Beitragvon Holgonaut » Mi 8. Jun 2022, 09:20

Eine Sache noch: EIne CFA zu machen, setzt natürlich voraus, dass die Indikatoren überhaupt eine Faktorstruktur haben und kein composite sind. 90% der misfits sind dadurch bedingt, dass quasi reflektorisch eine Faktorenanalyse gemacht wird.

Check das mal (theoretisch). D.h. schau dir die Items an und frag dich ob dasselbe zugrundelegende Merkmal kausal reflektieren.

Grüße
Holger
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Re: Faktorenanalyse => Strukturgleichungsmodell

Beitragvon Leviathan » Mi 8. Jun 2022, 12:29

Herzlichen Dank!

Theoretisch ist das alles wasserdicht, andere haben hier schon zur Genüge getestet und die gleichen Modelle gewählt. Die Daten / Fragen sind darauf ausgelegt (das ist eine UN-Erhebung von hoher Qualität), Faktoren sowie Index- und Clusterbildungen wurden da berücksichtigt.

Noch einmal hierzu:

Du könntest zuerst eine CFA machen (auch daran gibt es Kritik) und anschließend das SEM. Die CFA wird wahrscheinlich nicht fitten und etwas Respec erfordern.


Warum wird sie nicht fitten? Und wie wird das durch das SEM "korrigiert"?

Vielen Dank! ;)
Leviathan
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Re: Faktorenanalyse => Strukturgleichungsmodell

Beitragvon Holgonaut » Do 9. Jun 2022, 07:41

Hi

Warum wird sie nicht fitten? Und wie wird das durch das SEM "korrigiert"?


Einfach nur Erfahrung aus 20 Jahren CFA-Arbeit mit "zur Genüge getesteten" Skalen :). Nicht das SEM korrigiert irgendwas. DU musst es korrigierenfalls das passiert (zu mehr bitte den Teil im paper anschauen).

Viele Grüße
Holger
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Re: Faktorenanalyse => Strukturgleichungsmodell

Beitragvon bele » Do 9. Jun 2022, 08:36

Hallo Holger,

der Link in deinem Quellenverweis stimmt nicht. Da ist einmal "doi.org/" zu viel drin. So funktioniert es: https://www.doi.org/10.1002/ijop.12753

LG,
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Re: Faktorenanalyse => Strukturgleichungsmodell

Beitragvon Holgonaut » Do 9. Jun 2022, 12:25

Hi Bele,
super vielen Dank! Klassischer Endnote-Fehler. Wenn du dort die doi mit dem Stamm einfügst, wird er gedoppelt. Hab das im original post geändert und angemerkt.

Grüße
Holger
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Re: Faktorenanalyse => Strukturgleichungsmodell

Beitragvon Leviathan » Do 23. Jun 2022, 04:00

Holgonaut hat geschrieben:Hi

Warum wird sie nicht fitten? Und wie wird das durch das SEM "korrigiert"?


Einfach nur Erfahrung aus 20 Jahren CFA-Arbeit mit "zur Genüge getesteten" Skalen :). Nicht das SEM korrigiert irgendwas. DU musst es korrigierenfalls das passiert (zu mehr bitte den Teil im paper anschauen).

Viele Grüße
Holger


Vielen Dank, hat bis hierhin soweit geklappt! ;)
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Re: Faktorenanalyse => Strukturgleichungsmodell

Beitragvon Leviathan » Fr 24. Jun 2022, 03:13

Holgonaut hat geschrieben:Hallo Leviathan,

ich versteh diese seltsame Begründung nicht ("wenn in Amos der Fehler gleich ist"). Du kannst dir aber die Zeit sparen, es zu erklären. Wenn du eine Vorstellung hast bzgl. der Messmodelle, dann geh gleich konfirmatorisch vor. Du könntest zuerst eine CFA machen (auch daran gibt es Kritik) und anschließend das SEM. Die CFA wird wahrscheinlich nicht fitten und etwas Respec erfordern. Das hat bestimmte Implikationen, was die "Vorsicht beim Interpretieren" betrifft.

Schau dir das paper mal an, in dem all das behandelt ist. Hier ist nur study 1 relevant. Dabei fittete die CFA nicht und es wird beschrieben, wie ich vorgegangen bin.

Rosman, T., Kerwer, M., Steinmetz, H., Chasiotis, A., Wedderhoff, O., Betsch, C., & Bosnjak, M. (2021). Will COVID‐19‐related economic worries superimpose health worries, reducing nonpharmaceutical intervention acceptance in Germany? A prospective pre‐registered study. International Journal of Psychology. https://doi.org/10.1002/ijop.12753 (Hinweis: DOI nachträglich geändert nach Bele's Hinweis)

Das wurde mit dem lavaan Paket in R gemacht zu dem ich dir dringend raten würde (alternativ Stata oder Mplus). Der Grund ist, dass Amos essentielle Diagnostiken nicht hat, die im paper illustriert sind und im Fall eines Misfits wichtig sind.

HTH
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Trotzdem noch einmal zu Deinem Fall / Artikel...

Das beinahe Ungewöhnliche ist ja die durchgängig hohe Ladung der Variablen. Aber - vermutlich auch aufgrund der Übersetzung und meiner mangelnden Kenntnisse der englischen Fachbegriffe - wie ging das dann Schritt für Schritt weiter? Habt Ihr die nicht noch einmal miteinander korreliert, um DANN die Auswahl zu treffen?
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Re: Faktorenanalyse => Strukturgleichungsmodell

Beitragvon Holgonaut » Sa 25. Jun 2022, 10:28

Hi,

wenn du sehr fokussiert items entwickelst und auf den Fit achtest, werden meist sehr hohe Ladungen rauskommen. Jetzt kommt dann meistens die Kritik (die auch berechtigt ist), dass--wenn man zu ähnliche/redundante items hat, man im "2. item" nur ne Kopie bekommt. Das widerlegen aber die sehr substantiellen Zusammenhänge mit den Validierungskriterien. Außerdem unterschätzen (witzigerweise insbesondere Psychos, die es ja besser wissen sollten), dass Leute Fragen in einem Fragebogen sehr präzise (wenn auch fehlerbehaftet) ausfüllen.
Wie ich vorgegagngen bin, beschreibt das paper doch? Hast du das markdown file mal laufen lassen? Daten sind ja vorhanden.
Grüße
Holger
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