Masterarbeit: Modell Auswertung

Masterarbeit: Modell Auswertung

Beitragvon lisakhlr » So 17. Jul 2022, 13:20

Hallo Zusammen,
Ich schreibe momentan meine Masterarbeit zum Thema Nudging und bin etwas überfordert mit der statistischen Auswertung meiner Ergbnisse. Strukturgleichungsmodelle waren mir bisher nicht geläufig und ich versuche mich noch in dem Dschungel zurechtzufinden.

Beschreibung meines Vorgehen und meiner Variablen:
Ich habe ein Experiment innerhalb von einem Unternehmen durchgeführt mit dem Ziel die Nutzer zum Ausfüllen verschiedener Proflinformationen zu bewegen.
Das ausgefüllte Profilattribut ist meine AV (binär codiert;0=nicht ausgefüllt,1=Profil ausgefüllt).

Die Teilnehmer haben drei Fragebögen ausgefüllt. Diese waren 5-stufig Likert-Skalert von "Stimme voll zu" bis "Stimme gar nicht zu":
Ein Fragebogen misst die Anfälligkeit für Nudging, was auch meine UV wäre.
Ein Fragebogen beschäftigte sich mit der Persönlichkeit (gemessen mit den Big5). Die Traits sollen wiederrum meine UV vorhersagen. So meine Hypothesen.
Ein Fragebogen misst die Internet Privacy Concerns. Dies soll als Kontrollvariable dienen, um zu überprüfen, ob Personen, die sich eher Sorgen, um ihre persönlichen Daten machen, generell einfach ihre Daten nicht angeben.

Außerdem waren die Teilnehmer (N=5.183) innerhalb des Experiments in 5 unterschieldiche Gruppen aufgeteilt, jede dieser Gruppen hat ein unterschieldichen Stimulus (Nudge) präsentiert bekommen, der das Ausfüllen der Profilattribute unterschiedlich beeinflussen sollte. Dabei waren meine Nudges unterschiedlich designt in Bezug auf die Ausprägung der Intensität (d.h. Wie stark wird die Person beeinflusst?) und des Tailorings (d.h. Wie gut ist der Nudge auf die Person zugeshcnitten?). Diese beiden Merkmale habe ich beim Design gekreuzt, so dass sich diese mögliche Paare ergeben haben:
Gruppe1: Hohe Intensität + Hohe Tailoring
Gruppe2: Hohe Intensität + Niedriges Tailoring
Gruppe3: Niedrige Intensität + Hohes Tailoring
Gruppe4: Niedrige Intensität + Niedriges Tailoring
Gruppe5: Kontrollgruppe (hat keinen Nudge gesehen)

Ich habe auch schon ein Modell entworfen, welches die Beziehungen, so wie angenommen beschreibt.
Ist hier ein Strukturgleichungsmodell angemessen und wie wende ich das an? Habt ihr Tipps, wie ich meine Nudges am besten codieren sollte?
Außerdem habe ich noch ein anderes zentrales Problem: Ich habe die Cronbach's Alpha Werte meiner Skalen berechnet, dabei bin ich bei der Skala für meine UV auf ein CA=.38 gekommen. Also nicht annährend akzeptabel. Auch durch Kombination und Weglassen von unterscheildichen Items innerhalb der Skala komme ich nicht über einen Wert von .59. Da das ziemlich problematisch ist, ist eigentlich die Konsequenz daraus, dass ich diese Variable aus meine Modell rauswerfen muss (Hierzu sei gesagt, dass die Daten gut bereinigt worden sind und es definitiv ein Problem mit der Skala ist). Kann ich dann immer noch ein Strukturgleichungsmodell rechnen oder ist dann ein anderes Verfahren besser geeigenet?

Ich habe zur Auswertung SmartPL4 zur Verfügung.

Ich hoffe ich habe euch mit diesem gewaltigen Post nicht erschlagen und jemand kann mir vielelciht helfen!
Vielen Dank schon mal für eure Hilfe :)
lisakhlr
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Re: Masterarbeit: Modell Auswertung

Beitragvon lisakhlr » So 17. Jul 2022, 13:35

Bild
Kleiner Nachtrag: habe das Modell auch visualisiert. Vielleicht hilft dass auch beim verstehen.
lisakhlr
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Re: Masterarbeit: Modell Auswertung

Beitragvon PonderStibbons » So 17. Jul 2022, 15:25

Was SEM angeht, kann ich wenig helfen, aber ich verstehe Dein theoretisches Modell nicht.
Im Kern der Sache geht es doch darum, wie die Gestaltung des "Nudging" den outcome (leider
nur binär?) beeinflusst? Und Susceptibility wäre dabei ein Moderator, keine UV. In Deinem
Modell erzeugt ein Persönlichkeitsmerkmal ganz einfach so, ohne weiteren Stimulus, einen
Response, und der eigentliche Stimulus ist in Deinem Modell lediglich ein Moderator. Das
ergibt für mich theoretisch erstmal keinen Sinn.

Und wozu die Big5-Geschichte? Das ist, als würdest Du 2 getrennte Studien zusammenpacken,
zum einen die Gestaltung & Susceptibility => Outcome Studie; zum anderen eine Studie zu der
Frage, wie die extrem breiten Big5 Persönlichkeitsmerkmale ein eher eng umgrenztes Merkmal
vorhersagen. Susceptibility hast Du bereits unabhängig gemessen, für die Kernfragestellung
(bzw. von mir unterstellte Fragestellung, es fehlen dazu ganz klare Aussagen) erscheint die
Big5/Susceptibility-Geschichte also entbehrlich.

Die Rolle der Kontrollvariable verstehe ich ebenfalls noch nicht so ganz. Normalerweise sollte
das eine Variable sein, die möglicherweise sowohl mit der UV als auch mit der AV assoziiert ist
und daher die eine scheinbare Beziehung zwischen UV und AV erzeugen könnte. Ich würde sie
hier jedoch ebenfalls eher für einen Moderator halten.

Mit freundlichen Grüßen

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Re: Masterarbeit: Modell Auswertung

Beitragvon lisakhlr » Mo 25. Jul 2022, 19:01

Hallo,
vielen Dank erstmal für die Antwort, die mich tatsähclich nochmal auf neue Gedanken gebracht hat. Ich habe das Outcome jetzt binär (Attribut ausgefüllt vs. nicht ausgefüllt), als auch metrisch gemessen (Wie viele Attribute von 0-7 wurden ausgefüllt?).
Am Anfang war die Auswertung auch über Strukturgleichungsmodelle geplant, so dass ich hätte eine Gesamtaussage hätte treffen können, wie die einzelnen Variablen auf innerhalb von dem Modell wirken. Die Basis für mein Modell ist ein vorhandenes Paper. Der Gedanke zwischen Persönlichkeitsmerkmal und susceptibility wäre eher wie einer Korrelation/Regression zu betrachten, um zu testen welche Persönlichkeitsfacetten zu welchen Anteil die Susceptibility aufklären. Dafür bräuchte ich ja zwangsläufig keine Manipulation.
Da mein CA für Susceptibility aber eh unterirdisch war, habe ich das Konstrukt komplett aus dem Modell entfernen müssen, so dass ich an Daten nur noch die Persönlichekitmerkmale (metrisch), die Nudges (nominal) und den Outcome (binär und metrisch) habe.
Der Punkt mit der Moderation von Susceptibility habe ich mit den Persönlichkeitsvariablen aufgegriffen, so dass ich wenigstens ein paar stattischtische Tests rechnen kann. Was ich mich aber gerade frage: Ist eine Moderation (Ich habe SPSS mit Process) mit folgenden Einstellungen und Skalenniveau überhaupt rechenbar: M=Persönlichkeit, UV=Nudge (nominal) und AV=Outcome (nominal)? In allen anderen Beispielen, die ich online finde, ist die AV immer metrisch :/

Vielen Dank schon mal bis hierher!
Gruß
lisakhlr
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Re: Masterarbeit: Modell Auswertung

Beitragvon PonderStibbons » Di 26. Jul 2022, 16:00

Da die abhängige Variable binär ist, kommt eine binär-logistische Regressionsanalyse in Betracht.
Man kann dabei einen kategorialen Prädiktor einbeziehen, sowie intervallskalierte Prädiktoren.
Moderatoreffekte würden durch die Interaktionen der Prädiktoren repräsentiert. Process bietet
meines Wissens nach die Möglichkeit logistischer Regressionen, aber wie weit das gediehen ist,
weiß ich leider nicht.

Mit freundlichen Grüßen

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Re: Masterarbeit: Modell Auswertung

Beitragvon lisakhlr » Di 26. Jul 2022, 16:22

Vielen lieben Dank.
Logistische Regressionen habe ich auch schon innerhalb von SPSS gerechnet, allerdings nicht mit einem weiteren Prädiktor bzw. Moderator.
Dann werde ich mich wohl mal durchtesten. Danke auf jeden Fall für die methodische und fachliche Hilfe :)
LG Lisa
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