Manova, Anova und Stichprobengröße

Fragen zur Planung einer Untersuchung oder eines Projekts.

Manova, Anova und Stichprobengröße

Beitragvon _Marie_ » Mo 1. Nov 2021, 09:36

Hallo Zusammen,

ich plane für meine Abschlussarbeit eine Untersuchung von 3 Gruppen: FS,HS,HST (d.h. eine unabhängige Variable) und 3 abhängigen Variablen: a, b, c.
Insgesamt messen die drei abhängigen Variablen persönliche Einschätzungen, die ähnlich sind, aber eben nicht gleich, jedoch wird das von mir untersuchte Konstrukt in der Forschung auf diese Weise erhoben.

Meine Hypothesen sind:
H1(a-c): M(HS) > M(FS)
H2(a-c): M(HST) > M(HS)

Aufgrund der Notwendigkeit einer Präregistrierung muss ich bereits vor Beginn der Untersuchung die geplante Vorgehensweise bei der Datenanalyse festlegen.

Ich plane eine einfaktorielle Manova mit den drei Gruppen (FS; HS; HST) und den drei AVs (a; b; c) und post-hoc für jede abhängige Variable eine einfaktorielle ANOVA durchzuführen - mit alpha-Korrektur. Um die Hypothesen zu testen, werde ich für jede der abhängigen Variablen geplante einfache Kontraste durchführen.

Bei der Planung der Stichprobe mit GPower bin ich nun auf folgendes Problem gestoßen:
Mir ist aufgefallen, dass für eine einfaktorielle Manova deutlich weniger Probanden notwendig sind als für eine Anova. Meine Frage ist nun, wie ich die Größe meiner Stichprobe planen soll, um auf der einen Seite die Manova nicht zu teststark (?) zu machen, aber auf der anderen Seite nicht eine viel zu kleine Stichprobe für die geplanten Anovas zu haben, sodass diese nicht mehr signifikant (trotz vorhandenem Effekt) werden.

Zusätzlich bin ich mit der Effektgröße f^2(V) nicht wirklich vertraut und habe keine konkreten Kenngrößen gefunden, die für einen kleinen, mittleren oder großen Effekt stehen.

Ich würde mich über Feedback, Hilfe und Rückfragen sehr freuen und wünsche noch einen schönen Tag!
_Marie_
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Re: Manova, Anova und Stichprobengröße

Beitragvon strukturmarionette » Mo 1. Nov 2021, 12:21

Hi,

jedoch wird das von mir untersuchte Konstrukt in der Forschung auf diese Weise erhoben.

- eine seriöse Quelle dafür?

Gruß
S.
strukturmarionette
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Re: Manova, Anova und Stichprobengröße

Beitragvon bele » Mo 1. Nov 2021, 15:05

Hallo Unterstrich-Marie,

ufgrund der Notwendigkeit einer Präregistrierung muss ich bereits vor Beginn der Untersuchung die geplante Vorgehensweise bei der Datenanalyse festlegen.
[...]
Mir ist aufgefallen, dass für eine einfaktorielle Manova deutlich weniger Probanden notwendig sind als für eine Anova.


Das ist ja erstmal nicht unplausibel - wenn ein Verfahren mehr Information bekommt kann es auch schneller zur Entscheidung kommen. Wissen oder persönliche Erfahrung habe ich damit nicht, aber ein automatisches Problem sehe ich darin nicht. Für die Fallzahlanalyse geht es darum, was das entscheidende Kriterium ist, um Deine Studie erfolgreich abzuschließen. Ist mit einer signifikanten MANOVA die Kernfrage Deiner Studie beantwortet oder brauchst Du für einen Erfolg auch die Paarvergleiche? Dass entscheidet dann auch darüber, welche Fallzahl Du brauchst.

_Marie_ hat geschrieben:... um auf der einen Seite die Manova nicht zu teststark (?) zu machen,


Was soll "zu teststark" sein? htt ps://youtu.be/PwlZjF9Z4wc?t=47
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It's like too much money, there is no such thing,
It's like a girl too pretty, with too much class,
Being too lucky, a car too fast.

No matter what they say I've done,
I never had too much fun"


(musikalisch liegt mir diese Version hier näher: htt ps://www.youtube.com/watch?v=Ivj1FvnDu5s Tom Ball an der Mundharmonika ist ein Garant für gute Stimmung und Kenny Sulatan an der Gitarre -- aber das gehört hier nicht hin).

Zusätzlich bin ich mit der Effektgröße f^2(V) nicht wirklich vertraut und habe keine konkreten Kenngrößen gefunden, die für einen kleinen, mittleren oder großen Effekt stehen.


Das ist grundsätzlich immer ein Problem bei den Fallzahlschätzungen, dass die eingesetzten Effektstärken letztlich irgendwie beliebig sind. Aber da reden wir nicht so laut drüber, sonst müssten wir uns ja grundsätzlich nach dem Sinn der ganzen Übung fragen lassen :roll:

LG,
Bernhard
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Re: Manova, Anova und Stichprobengröße

Beitragvon _Marie_ » Mo 1. Nov 2021, 15:16

strukturmarionette hat geschrieben:Hi,

- eine seriöse Quelle dafür?

Gruß
S.


Gerne, ich wollte mit dem Inhalt nicht zu viel ablenken ;-).

Nestler S, Blank H, Egloff B. Hindsight ≠ hindsight: experimentally induced dissociations between hindsight components. J Exp Psychol Learn Mem Cogn. 2010 Nov;36(6):1399-413. doi: 10.1037/a0020449. PMID: 20836614.

VIele Grüße
_Marie_
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Re: Manova, Anova und Stichprobengröße

Beitragvon _Marie_ » Mo 1. Nov 2021, 15:30

Hallo Bernhard,

ersteinmal tausend Dank für Deine Antwort - das war mein Highlight des Tages ;).



bele hat geschrieben:

Das ist ja erstmal nicht unplausibel - wenn ein Verfahren mehr Information bekommt kann es auch schneller zur Entscheidung kommen. Wissen oder persönliche Erfahrung habe ich damit nicht, aber ein automatisches Problem sehe ich darin nicht. Für die Fallzahlanalyse geht es darum, was das entscheidende Kriterium ist, um Deine Studie erfolgreich abzuschließen. Ist mit einer signifikanten MANOVA die Kernfrage Deiner Studie beantwortet oder brauchst Du für einen Erfolg auch die Paarvergleiche? Dass entscheidet dann auch darüber, welche Fallzahl Du brauchst.


Die Frage gibt total Sinn. Die gerichteten Hypothesen meiner Studie würden letztendlich nur die Paarvergleiche (geplanten Kontraste) überprüfen können - wenn alles nach Plan läuft...
Ich frage mich dann nur, auf Basis von welchem Test bzw. welcher Empfehlung ich dann die Stichprobengröße berechne. Zu Kontrasten habe ich leider nicht wirklich etwas gefunden. Wäre es denkbar, dass ich dann die empfohlene Größe von GPower für eine One-Way-Anova nehme - Natürlich bin alpha-Korrektur? oder hast du eine andere Idee?


bele hat geschrieben:
Was soll "zu teststark" sein? htt ps://youtu.be/PwlZjF9Z4wc?t=47
Too much fun, what does that mean?
It's like too much money, there is no such thing,
It's like a girl too pretty, with too much class,
Being too lucky, a car too fast.

No matter what they say I've done,
I never had too much fun"


(musikalisch liegt mir diese Version hier näher: htt ps://www.youtube.com/watch?v=Ivj1FvnDu5s Tom Ball an der Mundharmonika ist ein Garant für gute Stimmung und Kenny Sulatan an der Gitarre -- aber das gehört hier nicht hin).


Haha, jetzt habe ich bei diesem komplizierten Thema doch noch lachen können - den Spruch habe ich mir abgespeichert und werde ihn mir merken ;)

Nochmal vielen vielen Dank und liebe Grüße,
Marie
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Re: Manova, Anova und Stichprobengröße

Beitragvon bele » Mo 1. Nov 2021, 18:03

Hallo Marie,

freut mich, wenn ich ein wenig gute Stimmung verbreiten konnte.

_Marie_ hat geschrieben: oder hast du eine andere Idee?


Da habe ich keinerlei Expertise.
LG,
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