T-Test bei unabhängigen Stichproben

T-Test bei unabhängigen Stichproben

Beitragvon Maloa Ki » Do 16. Aug 2018, 12:35

Hallo zusammen

Ich bin neu hier in diesem Forum und habe einige Probleme beim Auswerten meiner Daten für die Bachelorarbeit.

Die Daten stammen aus einem grossen Datensatz (N = 209) mit etlichen Variablen, die ich jedoch für meine Analysen gar nicht alle brauche.
In einem ersten Schritt habe ich nun erstmal diejenigen aus dem Datensatz gelöscht, welche ich gar nicht brauche, denn dadurch erhoffe ich mir eine bessere Übersicht =)

Nun zu meiner Frage:
Ich Untersuche Geschlechterunterschiede, weshalb es sich auch um unabhängige Stichproben handelt.
Als abhängige Variablen untersuche ich die Ergebnisse von einem kognitiven Test (kognitive Flexibilität). Dieser Test hat drei Einheiten (1x Fokus auf Farbe, 1x Fokus auf Form und eine erweiterte Version, welche diese beiden Dimensionen vermischt).

Die Daten stammen aus einer Interventionsstudie, weshalb es einen t1 und einen t2 gibt.

Folgende Daten liegen diesbezüglich vor:
- Punktzahl in den einzelnen Einheiten des Tests (zu t1 und zu t2)
- Punktetotal (in t1 und in t2)

- Reaktionszeiten bei jeder gelösten Aufgabe (in t1 und in t2)
- gemittelte Reaktionszeiten pro Aufgabe (in t1 und in t2)

Die Studie unterteilt sich in zwei Experimentalgruppen (1 = Training mit hohen kogn. und motorischen Einheiten, 2 = Training mit niedrigen kogn. und motorischen Einheiten) und eine Kontrollgruppe.

Ich möchte nun herausfinden, ob sich Geschlechterunterschiede hinsichtlich der erreichten Punkte und der Reaktionszeiten zeigen.
Allerdings habe ich ein Problem und komme nicht weiter, wenn ein t-Test durchgeführt werden soll, indem sowohl die experimentellen Bedingungen als auch das Geschlecht berücksichtigt werden soll. Kann mir da jemand weiterhelfen? Ich bin echt ziemlich ahnungslos...

Herzlichen Dank schonmal im Voraus und liebe Grüsse
Maloa Ki
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Re: T-Test bei unabhängigen Stichproben

Beitragvon Maloa Ki » Do 16. Aug 2018, 12:51

Ah... und die AV ist natürlich metrisch skaliert und die UV nominal.

Varianzhomogenität ist gegeben (p > 0,05)
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Re: T-Test bei unabhängigen Stichproben

Beitragvon bele » Do 16. Aug 2018, 13:14

Maloa Ki hat geschrieben:..., wenn ein t-Test durchgeführt werden soll, indem sowohl die experimentellen Bedingungen als auch das Geschlecht berücksichtigt werden soll.


Die Erweiterung des t-Tests auf mehr als eine Gruppenvariable nennt man Varianzanalyse oder ANOVA. Wieviel weißt Du darüber bereits?

LG,
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Re: T-Test bei unabhängigen Stichproben

Beitragvon Maloa Ki » Do 16. Aug 2018, 13:36

Hallo Bernhard

Ich habe zwar die Statistikausbildung, d.h. alle Module, die ich besuchen muss an der Universität, absolviert, dennoch zeigen sich Unsicherheiten :roll:

Ich werde mich in dem Fall mal einlesen in die Varianzanalyse.
Müsste ich dann dort in Richtung einfaktorielle oder mehrfaktorielle gehen?
Ich hätte ja dann als einen Faktor das Geschlecht, und als anderen Faktor die experimentelle Bedingung, nicht wahr?

Tausend Dank für die Hilfe hier im Forum!

Liebe Grüsse,
Maloa Ki
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Re: T-Test bei unabhängigen Stichproben

Beitragvon bele » Do 16. Aug 2018, 21:59

Genau, Du hast zwei Faktoren, deshalb multifaktorielle ANOVA.

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Re: T-Test bei unabhängigen Stichproben

Beitragvon Maloa Ki » Fr 17. Aug 2018, 10:21

Okay... Danke!

Muss ich die zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung machen, weil ich ja einen t1 und einen t2 habe?

Und mein Problem ist auch noch, dass ich die AV nicht in einer einzigen Variable habe :roll:

Ich habe sowohl von t1 als auch von t2 jeweils:
- 4 Variablen Punktzahl (1x Farbe, 1x Form, 1x erweiterte Version, 1x Summe über alle Aufgaben)
- 3 Variablen Reaktionszeit (1x Farbe mean, 1x Form mean, 1x erweiterte Version mean)

Muss ich diese noch irgendwie zusammenfüren? Weil... ich habe irgendwie (noch nicht) herausgefunden, wie man das sonst machen könnte...

LG, Maloa Ki
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Re: T-Test bei unabhängigen Stichproben

Beitragvon bele » Fr 17. Aug 2018, 11:50

Maloa Ki hat geschrieben:Muss ich die zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung machen, weil ich ja einen t1 und einen t2 habe?


Das wird wahrscheinlich so kommen. Da Du bislang noch keine Fragestellung formuliert hast, bei der die beiden Testzeitpunkte eine Rolle spielen, lässt sich das derzeit nicht beantworten.

Und mein Problem ist auch noch, dass ich die AV nicht in einer einzigen Variable habe :roll:
...
Muss ich diese noch irgendwie zusammenfüren?


Wenn sich das inhaltlich irgendwie vernünftig machen lässt, solltest Du wahrscheinlich versuchen, die abhängigen Variablen irgendwie zusammen zu fassen.

LG,
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Re: T-Test bei unabhängigen Stichproben

Beitragvon Maloa Ki » Fr 17. Aug 2018, 11:59

Die Fragestellung lautet:
Unterscheiden sich die Geschlechter (Jungen und Mädchen) in ihrer erreichten Punktzahl und/oder in der Reaktionszeit im kognitiven Test nach der 6-wöchigen Intervention voneinander?

H0: es gibt keinen Unterschied
H1: Jungen und Mädchen unterschieden sich in ihrer erreichten Punktzahl und/oder Reaktionszeit voneinander

Bezüglich dem Zusammenfügen der einzelnen AV's:
Punkteanzahl:
Das Problem ist, dass ich mich nicht nur für die Total erreichte Punktzahl interessiere, sondern auch dafür, ob es Unterschiede in den einzelnen Bereichen des kognitiven Tests gibt (die erweiterte Version konnte von den wenigsten Kindern gelöst werden, weil zu schwierig).
Von daher macht ein Betrachten der Summenpunktzahl irgendwie wenig Sinn....

Reaktionszeiten:
Hier liegen mir ja drei Variablen pro Messzeitpunkt vor.

Wie wäre es am Vernünftigsten nun vorzugehen?
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Re: T-Test bei unabhängigen Stichproben

Beitragvon bele » Fr 17. Aug 2018, 13:41

1. Entscheiden, ob es einen sinnvollen Weg gibt, Punktzahl und Reaktionszeit miteinander zu verdröseln. Leistung ist Arbeit pro Zeit, macht es in diesem Test Sinn, Punkte pro Zeit zu berechnen, oder macht es keinen Sinn? Wenn es Sinn macht, dann ist das die Abhängige Varialbe. Sonst doppelte Arbeit machen und einmal untersuchen, ob es einen Einfluss von Geschlecht auf die Punktezahl und einmal, ob es einen Einfluss auf die Zeit gibt. Cliché: Die Mädchen sind gründlicher und brauchen daher merh Zeit, erreichen aber auch mehr Punkte, Jungs machen das schneller, daher weniger Punkte aber auch weniger Zeit.

2. Total spitzfindig kleingeistig aber präzise die Hypothese formulieren. Für Deine letzte Hypothesenformulierung braucht man z. B. überhaupt keine t1-Werte, weil diese Hypothese nur t2 einbezieht. Ja, das ist nervig und ja, man glaubt auch ohne dass irgendwie zu begreifen, was gemeint sein könnte, aber hier hilft präzises Formulieren beim präzisen Denken.

3. Belies Dich zum Thema multiples Testen bzw. Alpha-Fehler-Inflation bzw. Bonferroni-Korrektur. Hier sind durchaus kompliziert zu begründende Entscheidungen nötig, die man fällen sollte, bevor man überhaupt ein Statistikprogramm startet. Wenn Du ein wenig darüber gelesen hast, nutze bitte auch die Suchmaschine hier im Forum mit dem Suchbegriff Bonferroni und versuche möglichst viele dieser Diskussionne zu verstehen, bevor Du Deine Entscheidung triffst.

4. Entscheiden, welches Computerprogramm Du nutzen willst und wenn die Entscheidung gefallen ist, ob Dir darin die Funktionen zur ANOVA besser gefallen oder die Funktionen zur linearen Regression besser gefallen und schauen, zu welchem von beidem Du die besseren Anleitungen findest, wie es zu benutzen sei. Mit Beispieldatensätzen die Möglichkeiten des Programms ausleuchten und testen, bis Du den Output verstehst.

5. Danach zum ersten Mal die eigenen Daten ins Statistikprogramm einlesen, deskriptive Statistik, möglichst viele Grafiken zeichnen und angucken und danach erst die geplante ANOVA oder Regression rechnen. Möglichst nicht nach dem Rechnen feststellen, dass man sich vorher noch was anderes hätte überlegen sollen.

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Re: T-Test bei unabhängigen Stichproben

Beitragvon Maloa Ki » Fr 17. Aug 2018, 14:27

okay... huch, ich sehe, da bin ich ganz schön noch am Anfang und muss aufpassen, dass ich die Nerven nicht verliere :roll:

Danke viel viel mal für deine wertvollen Informationen!
Dürfte ich mich hier in diesem Beitrag wieder melden, wenn noch Fragen auftauchen sollten?

LG,
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